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Foreword to Die Freigabe der Vernichtung Lebensunwerten Lebens Allowing Destruction of Life Unworthy of Life

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Vorwort

 Das einflußreichste Buch von Karl Binding und Alfred Hoche, “Die Freigabe der Vernichtung lebensunwerten Lebens” ist im Jahre 1920 veröffentlicht worden. Deshalb, Ihre Schrift geht die Machtergreifung der Nazi Partei zeitlich ungefähr bei einem Dutzend voran. Selbstverständlich führten die Nazis diese Ideen mit einer unglaublichen Rache aus, erst mit Ihrem T4 Programm und danach mit den Konzentrationslagern.

Die Tendenz der sittlichen, politischen und ethischen Gesprächen schließlich zu einer Erörterung der Schrecken der Nazi zu führen ist als “Godwin’s Law” (Englisch für ‘Godwins Gesetz’, Anm. d. Übersetzers)  beschrieben. Manche Leute rufen es oberflächlich auf, als ob Hitlers bloßer Aufruf meine, daß die darin ausgedrückten Bemerkungen übertrieben wären. Wie dem auch sein mag, es gibt jedoch gute Gründe dafür, für Gesprächen sich unaufhaltsam in einigen der schrecklichsten Fällen in der Geschichte zu verwandeln, und dieses kleine Buch, das Sie in diesem Augenblick in Ihre Hand halten, erläutert einige dieser Fällen.

Binding und Hoche waren zuerst Akademiker, nicht Parteigänger, und keiner konnte voraussehen, was die Leute, die Ihre Ideen annahmen, damit eigentlich tun würden. Sie ‘führten nur ein Gespräch [miteinander].’ Stattdessen, was sie eigentlich getan haben, ist eine entmenschlichende Neigung mit rechtlichen und ärztlichen Ehrbarkeit zu versorgen, Neigung die selbst im Namen der ‘Wissenschaft’ voranging und heutzutage salopp als ‘Eugenik’ verworfen ist.

Viele moderne Leser von “Lebensunwertes Leben” werden eigentlich mit den dahin  beschriebenen Erörterungen mitschwingen. Wenn Sie seinen Platz in der Geschichte der Massenvernichtung Hunderttausenden behinderter Menschen aller Altersgruppen  nicht bewußt wären, würden Sie sich dieses Buch mit nur geringen Bedenkungen zu eigen machen. Ändern Sie  den Buchtitel, nehmen Sie die rassendiskriminierendsten Bemerkungen heraus, und dieses Buch könnte wohl vielleicht als richtungsweisendes Hauptdokument der Großbritannischen “Liverpool Care Pathway” (LCP, English für ‘Leitfaden für die Sterbebegleitung’, Anm. d. Übersetzers), welche unheimliche, sogar furchtbare, Ähnlichkeiten mit den Erörterungen und mit der eventuellen Richtung des Buches von Binding und Hoche hat, dienen.

Bezüglich dieser Schrift, die Behauptungen, daß das Großbritannische Gesundheitssystem Ärzte eigentlich ermutigte, ‘sterbende’ Menschen aller Altersgruppen auf die LCP durch finanzielle Anreize zu stellen. Wahrhaftig, diese Richtung mag schon nicht zu einem so offensichtlichen Holocaust führen, als mit den Nazi, aber die Ähnlichkeiten mit dieser Richtung sind trotzdem unleugbar. Es gibt andere  Ähnlichkeiten, wie die Tatsache, daß Akademiker und ‘reine Gespräche’ irgendwelche tatsächliche Durchführungen irgendeines Programmes vorausgehen. In den 1930er Jahren die meisten Ärzten und medizinische Fachleuten, die die Aktion T4 durchführten, waren keine Nazis; vermutlich, auch keine der medizinischen Fachleuten, die die LCP durchführen, sind Nazis. Trotzdem, die vorwiegende Strategie der ‘humanen’ Tötung derjenigen, dessen Leben als ‘lebensunwertes Leben’ gilt, ist immer dieselbe: Hungertot, Austrocknung und Sedierung… und  Übersedierung.

Es ist gerade deswegen, da Bindings und Hoches Ideen zu etwas unerwartetes und abscheuliches umgewandelten, daß wir aufmerksam über eine erneute Darstellung derselben Ideen sein müssen. Die Akademiker sprechen immer noch weiter!

Z.B., zwei Akademiker haben vor kurzem ein bescheidenes Gespräch zu Gunsten der Freigabe  des ‘nach der Geburt’ Schwangerschaftsabbruch veröffentlicht. Sie erörtern, daß die selben anerkannten Begründungen zu Gunsten des Schwangerschaftsabbruches auf Verlangen ebenso viel berechtigterweise zu Neugeborene treffen. Die laufende Aufsicht der Gesellschaft ist, daß das ungeborene Leben ‘lebensunwert’ ist, außer wenn es von den Eltern gewünscht ist.   Giubilini und Minerva betonen, daß es, biologisch, eigentlich gar keinen Unterschied mit einem neugeborenen Kind gibt, und, deshalb, warum nicht den Zeitrahmen verlängern, worin es getötet werden kann? Trotz ihrer Ablehnung irgendeine Idee anzubringen wie lange man warten konnte,  ehe man sich entscheiden sollte, ihr wissenschaftliches Aufsatz forderte höchste Wut heraus.

Wiederum, diese Wut ärgerte Julian Savulescu, der Editor der Zeitschrift, die den Aufsatz veröffentlicht hat. Er schrieb:

 Was beunruhigend ist, sind weder die Erörterungen in diesem Aufsatz, noch seine Veröffentlichung in einer ethischen Zeitschrift. Es sind die feindliche, beleidigende,  bedrohende Reaktionen, die diese Schrift erzeugt hat. Jetzt mehr denn je zuvor, ordnungsgemäße wissenschaftliche Erörterungen und Freiheit sind von Fanatikern bedroht, die die reine Werte einer liberalen Gesellschaft widersetzen.

 Wir sollten vielleicht einen Gespräch über welche die ‘Werten einer liberalen Gesellschaft’ wirklich sind? Savulescu sagt aber etwas anderes zu seiner Verteidigung, daß den Leser aufhorchen sollte:

 Als Editor der Zeitschrift, möchte ich ihre Veröffentlichung schützen. Die hierin ausgedrückten Erörterungen sind eigentlich größtenteils nicht neu und sind mehrmals in der  wissenschaftlichen Literatur und in öffentlichen Foren bei den namhaftesten Philosophen und Bioethikers der Welt, unter anderem Peter Singer, Michael Tooley und John Harris zur Verteidigung von Kindesmord, was ‘Nach der Geburt Schwangerschaftsabbruch’ bei den Autoren genannt ist, ausgedrückt worden.

 Wie Sie für sich selbst erkennen werden können, wenn Sie weiter lesen werden, Karl Binding und Alfred Hoche können zu dieser Liste hinzugefügt werden. Sie werden sich tatsächlich abmühen sollen, einen großen Unterschied zwischen derjenigen und modernen Erörterungen zu finden. Gleichzeitig als die Euthanasie Bewegung in derselben Richtung weiterführt, die Binding und Hoche sie in der Welt einführten, würden wir gut daran tun, sehr, sehr gut aufzupassen.

Der neue Aufstieg der Idee, daß es Lebens gibt, die aus ‘Mitleid’ beendet werden sollten, verändert die Tatsache nicht, daß wir schwierige Fragen beantworten sollen. Modernere Technologien haben einige dieser Fragen sogar schwieriger gemacht. Trotzdem, die philosophischen und ethischen Überblicken der Erörterung haben sich zwar nicht viel geändert, aus dem einfachen Grund, daß sie sich nicht viel ändern können. Jeder würde sich wünschen, daß wir die Lehren der Schrecken des 20er Jahrhunderts gelernt haben, aber der Zustand laufender ‘Gesprächen’ legt deutlich den umgekehrten Eindruck nahe. Es könnte notwendig sein, zu einigen der früheren Werken zurückzukehren, ihren Platz in der Geschichte zu untersuchen und neu zu überdenken, ob es klug sei, ihnen erneute Währung zu geben.

Egal was Ihren früheren Zweck war, dieses Werk auszuwählen, hoffe und bete ich, daß Sie tun werden was ich vorschlage. Wir wollen gar nicht in fünfzig Jahren zu jemandem aufwachen, der oberflächlich “So und Sos Gesetz” aufruft; nämlich, die Tendenz jedes Gespräches sich schließlich zu der albtraumhaften Geschichte der 2020-2040 Jahren zu verwandeln.

Anthony Horvath
Executive Director
Policy Intersections Research Center
www.policyintersections.org

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Foreword

 Karl Binding and Alfred Hoche’s most influential book, “Allowing the Destruction of Life Unworthy of Life” (Die Freigabe der Vernichtung lebensunwerten Lebens) was published in 1920.  Thus, their work pre-dated the Nazi Party’s seizing of power  by about a dozen years.  The Nazis, of course, implemented these ideas with a vengeance, first through their T4 Program and then in the concentration camps.

The tendency of conversations about morality, politics, and ethics to eventually end up in a discussion about the horrors under the Nazis has been described as “Godwin’s Law.” Some invoke it glibly, as if the mere fact that Hitler has been invoked means that the points being made are over the top.  Be that as it may, there are reasons why conversations inexorably turn to some of humanity’s most horrific events in history, and the little volume you hold in your hand right now illustrates some of them.

In the first place, Binding and Hoche were academics, not Nazi partisans, and neither anticipated what people who accepted their ideas might actually do with them.  They were merely ‘having a conversation.’   What they did instead was provide legal and medical respectability to a trend towards de-humanization that itself was proceeding under the auspices of ‘science,’ casually dismissed today as ‘eugenics.’

Many modern readers of “Life Unworthy of Life” will actually resonate with the arguments that are described in it.  If they did not know of its place in the history of the mass extermination of hundreds of thousands of disabled people of all ages, they would embrace the book with only a few reservations.  Change the title, take out a few of the more racially provocative remarks, and the book could perhaps serve as the guiding document for Britain’s “Liverpool Care Pathway” which bears uncanny, even frightening, similarities with the arguments and eventual trajectory of Binding and Hoche’s book.

As of this writing, allegations that Britain’s medical system is actually encouraging doctors to put ‘dying’ people of all ages onto the LCP through the use of financial incentives.  True, this trajectory may not end in a holocaust as apparent as what happened under the Nazis, but the similarities of the trajectory is undeniable.  There are others, such as the fact that academics and ‘mere conversation’ preceded any actual implementation of any programs.  In the 1930s, most of the doctors and medical professionals implementing the T4 program were not Nazis; presumably, none of the medical professionals implementing LCP are Nazis, either. Nonetheless, one of the main strategies for ‘humanely’ killing someone whose life has been deemed ‘unworthy of living’ is exactly the same:  starvation, dehydration, and sedation… and over-sedation.

It is precisely because Binding and Hoche’s ideas morphed into something unexpected and abhorrent that we must be alert for a re-presentation of those same ideas.  The academics are still talking!

For example, two academics recently published a sober discussion in favor of allowing ‘after-birth’ abortions.  They argue that the same accepted rationales for abortion on demand apply just as legitimately to newborn children.  Society’s present view is that the unborn life is ‘not worthy of life’ unless it happens to be wanted by its parents.  Giubilini and Minerva point out that nothing is really different, biologically, with a newborn child, so why not extend the timeframe in which it can be killed? Though they refused to offer any ideas about just how long one could wait before making that decision, their academic article provoked extreme anger.

This anger in turn provoked Julian Savulescu to anger.  He is the editor of the journal that published the article.  He wrote:

 What is disturbing is not the arguments in this paper nor its publication in an ethics journal. It is the hostile, abusive, threatening responses that it has elicited. More than ever, proper academic discussion and freedom are under threat from fanatics opposed to the very values of a liberal society.

      Perhaps we should be having a conversation about just what the ‘values of a liberal society’ really are?  But Savulescu says something else in his defense that ought to make the reader sit up and take note:

 As Editor of the Journal, I would like to defend its publication. The arguments presented, in fact, are largely not new and have been presented repeatedly in the academic literature and public fora by the most eminent philosophers and bioethicists in the world, including Peter Singer, Michael Tooley and John Harris in defence of infanticide, which the authors call after-birth abortion.

      As you will see when you read further, Karl Binding and Alfred Hoche can be added to that list.  Indeed, you will struggle to see much difference between their arguments and modern arguments.  As the euthanasia movement picks up steam and continues along the same trajectory that Binding and Hoche launched the world, we would do well to pay very, very close attention.

The new ascendency of the idea that there are lives that ought be ended out of ‘compassion’ does not alter the fact that there are difficult questions in front of us.  Modern technology has made some of these questions even more difficult.  Nonetheless, the philosophical and ethical outlines of the debate haven’t changed much for the simple reason that they cannot change much.  Everyone would like to think that we’ve learned the lessons from the horrors of the 20th century, but the state of current ‘conversations’ strongly suggests otherwise.  It may be necessary to return to some of the earlier works, study their place in history, and re-think the wisdom of giving them new currency.

Whatever purpose you had for picking up this work before, it is my hope and prayer that you will do as I propose. We do not want to wake up in fifty years to someone glibly invoking “Such and Such’s Law”; that is, the tendency of every conversation to eventually turn to the nightmarish history of 2020-2040.

Anthony Horvath
Executive Director
Policy Intersections Research Center
www.policyintersections.org